Petra
Die rote Felsenstadt der Nabatäer

Man schrieb das Jahr 1812 – die Welt war mit Napoleon beschäftigt – als ein seltsamer Reisender, Scheich Ibrahim ibn Abdallah alias Johann Ludwig Burckhardt, durch das nordarabische Hochland unterwegs war. Der Schweizer Geograph sollte die noch unbekannten Gebiete erkundigen und entdeckte in den Shara-Bergen die seit über 1000 Jahren verschollene Stadt Petra – das biblische Sela.

Selbst in den Geschichtsbüchern suchte man lange Zeit vergeblich nach dieser Stadt und dem sonderbaren Volk, das einst aus der Wüste kam und nach 700 Jahren wieder verschwand.

Wie weitere Forschungen ergaben, handelte es sich um den arabischen Stamm der Nabatäer, die ihren Namen auf Nabayot, den Sohn Ismails, zurückführten. Der Vater von Ismail (und Isaak) sei Abraham gewesen.

Die Söhne Nabayots mögen zur Zeit des blühenden Weihrauchhandels aus dem Süden Arabiens nordwärts gezogen sein. Der griechische Geograph Strabo erwähnt sie zusammen mit den Sabäern. Vermutlich waren sie vorerst nach alter Wüsten-Tradition als glorreiche Räuber entlang der Handelsrouten unterwegs – veredelten dann ihr Handwerk und wurden als Führer und Beschützer der Karawanen reich und mächtig.

Die erste schriftliche Erwähnung der Nabatäer im Bereich von Arabia Petraea, dem «Steinernen Arabien», datiert aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Auf ihrem langen Weg zum Mittelmeer gelangten sie in einen gewaltigen Felsenkessel, der wohl vorerst zu ihrer geschützten Karawanserei wurde, dann aber zur Nekorpolis – einer Totenstadt mit prachtvollen, in roten Sandstein gemeisselten Grabanlagen.

Als freies Wüstenvolk hatten die Söhne Nabayots den Grundsatz, keinen Baum zu pflanzen, kein Feld zu pflügen, kein Haus zu bauen – da solches den Menschen abhängig macht… Doch blieben sie dieser Devise nicht treu. Der Erfolg verführte sie zu Eroberungen von Küstenstädten am Mittelmeer, und als sich einer ihrer Könige, Aretas IV., auf den Thron von Damaskus setzte, entbrannte der Zorn im römischen Kaiserreich. Trajan schickte seine Legionäre übers Meer und die Nabatäer wurden zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. besiegt.

Arabia Petraea wurde zur römischen Provinz – in der Felsenstadt entstanden Tempel und Paläste, während die Spuren der Söhne Nabayots sich allmählich wieder in der Wüste verloren.