Jemen
Land der Berge und Baumeister

Die Römer nannten es Arabia Felix, «Glückliches Arabien», dieses Land an der Südwestecke des Subkontinentes. Heute gehört Jemen – noch immer ohne Öl – zu den Armen der Welt. Doch kannten die Römer Südarabien auch nur vom Hörensagen – dem legendären Reichtum von Gold, Weihrauch und Myrrhe mit Karawanen zum Mittelmeer gebracht. Im Jahre 24 v. Chr. sandten die Römer ein grosses Heer unter Aelius Gallus nach Südarabien. Der verlustreiche Feldzug scheiterte vor den Toren der sabäischen Stadt Marib. Zu erwähnen wäre auch die Legende von der schönen und reichen Königin von Saba und ihrem Besuch beim weisen König Salomon zu Jerusalem.

Viele Märchen und Legenden. Aber es gibt auch die altsüdarabische Geschichte und ihre Zeugen, die Ruinen alter Städte in der Wüste – unter Sand und Steinen fanden sich Dokumente einer bedeutenden Kultur. Forschungsreisende und Archäologen haben uns berichtet.

Der Däne Carsten Niebuhr unternahm schon im 18. Jahrhundert eine abenteuerliche Jemen-Expedition mit fünf Gefährten – eine Reise voller Gefahr, Stürmen, Krankheit und Tod – von der er nach sieben Jahren als einziger nach Kopenhagen zurückkehrte.

Der deutsche Forscher Eduard Glaser brachte zu Ende des 19. Jahrhunderts die wertvollste Sammlung altsüdarabischer Inschriften nach Europa. Aus diesen 1800 Texten liess sich die Geschichte der alten Reiche weitgehend rekonstruieren.

Hier in Kürze die Reihenfolge:
Das älteste Reich Saba muss zu Beginn des letzten Jahrtausends v. Chr. entstanden sein, mit der Stadt Marib – und dem damals weltberühmten Staudamm, dem das steile Bergland seine Fruchtbarkeit verdankte.

Es folgten die Reiche:

  • Hadramaut 900 – 500 v. Chr.
  • Ausan unbestimmt – 410 v. Chr.
  • Qataban um 500 v. – 100 n. Chr.
  • Ma’in unbestimmt – 115 n. Chr.
  • Himyar 100 v. – 500 n. Chr.

Wie wir aus den Zeitspannen ersehen, haben die Reiche zeitweilig nebeneinander existiert. Der transarabische Karawanenhandel dauerte seit dem ersten Reich Saba über eineinhalb Jahrtausende, bis Ma’in zerfiel und der Staudamm von Marib brach. Danach nahm der Handel andere Wege.

Der Islam wurde schon im 7. Jahrhundert – noch zu Lebzeiten des Propheten Mohammed – nach Südarabien gebracht. Im Jemen wurde der Imam geistiges und weltliches Oberhaupt.

Die meisten jemenitischen Herrscher regierten mit Härte und Brutalität – der Thronfolge ging oft ein Mord voraus. Der zweitletzte Imam Ahmed starb 1962 in seinem Bett. Sein Sohn und Thronfolger Al Badr regierte nur 11 Tage – mit Ausrufung der Republik brach der Bürgerkrieg aus, welcher sieben Jahre dauerte. Während dieser Zeit hatten sich die Royalisten mit Al Badr in den Bergen verschanzt.

1969 kam es zu einer Koalitions-Regierung – doch schon 1977 wurde der erste Präsident Al Hamidi ermordet. Unruhen und Aufstände folgten. Auch Zusammenschluss und Trennung zwischen Nord- und Südjemen – die sich mittlerweile wieder versöhnt haben.

Die Imame hielten ihr Land streng verschlossen – heute stehen die Tore offen. Viel Entwicklungshilfe wurde gebracht – Strassen, Schulen und Spitäler gebaut. Auch der Tourismus fand Eingang – der Fremde wird als Sadik «Freund» begrüsst.

Die jungen Jemeniten ziehen aus, um in den reichen Golfstaaten und Saudi Arabien Geld für ihre Familien zu verdienen – was Glück und Gefahr bedeutet. Technik und so genannte Zivilisation kamen allzu plötzlich in ein Land, wo eine noch fast mittelalterliche Welt mit Brauchtum und überlieferten Gesetzen intakt geblieben war.

Mit Bildern wollen wir nun etwas Einblick gewinnen in diese uns fremde Welt.