Die Wüste
Lebensraum und Bedrohung

Für viele Menschen war die Wüste von starker Faszination. Abenteurer, Forscher und Dichter haben sie uns geschildert, von Karl May bis Lawrence von Arabien und St. Exupéry. Worin besteht wohl die grosse Anziehungskraft? Hitze, Durst und erschöpfende Ritte von Horizont zu Horizont machen den Reiz gewiss nicht aus. Doch geht es immer wieder um das intensive Erlebnis der Weite sowie das Ausgeliefertsein und sich sehr klein Fühlen als Mensch im riesigen, schier grenzenlosen Raum.

Doch bedenken wir ganz unsentimental, dass die Wüste ein Drittel der Erdoberfläche (in 60 Ländern) bedeckt – und noch ständig wächst und wandert.

Arten

Wir finden nicht überall dieselbe Wüste – vielfältig sind ihre geologischen und strukturellen Formen. Vor allem gilt es drei Gebiete zu unterscheiden: die Ariden, Semiariden und Regenzonen.

In der Ariden Wüste von Sand und Fels fällt praktisch kein Regen, wie in der südarabischen Sandwüste Rub’al-Khali, in der Sahara und Zentralasien. Die Erdoberfläche ist nackt, ohne Pflanzenwuchs, der Sonne und dem Wind preisgegeben.

Semiarid werden Gebiete bezeichnet, die weniger als 100 mm Niederschläge im Jahr bekommen. Die ist ein Steppengürtel mit zumeist karger Vegetation, jedoch schon als sparsame, wechselnde Weide geeignet.

In den äusseren Randzonen gibt es jährlich 100-200 mm Regen. Hier ist zeitweilig schon Ackerbau möglich, wenn auch die Wassermenge von Jahr zu Jahr schwankt – im selben Raum können es einmal 40, dann wieder gegen 200 mm sein. Und vom Wasser – wo auch immer – hängt das Leben ab.

Lebensraum

Das Leben in der Wüste bedeutet Kampf, wie nirgends sonst – ausser vielleicht im anderen Extrem, in den polaren Eisregionen. Es überleben nur:

  • Widerstandsfähige Pflanzen, welche Jahre der Dürre durchstehen.
  • Widerstandsfähige Tiere, die einen besonderen Wasserhaushalt haben und nicht von der täglichen Tränke abhängig sind.
  • Und Menschen, die nicht nur widerstandsfähig sind, sondern von wüstentüchtigen Tieren und Pflanzen Nutzen ziehen.

Es ist ein Nomadentum, wobei sich Menschen, Tiere und zuweilen auch Pflanzen auf der Wanderung befinden – wenn wir etwa an die vom Wind weitergetragenen Samen denken.

Im Verlauf eines Jahres ist die gesuchte Weide einmal da und einmal dort. Oder nirgends. Wenn wir etwa an die grosse Dürre in der Sahel-Zone denken. Das Leben in der Wüste bedeutet dauernde Suche nach neuer Existenz, auch Flucht vor Hunger, Durst und Tod.

Bedrohung

Die Bedrohung bezieht sich auf Randzonen, wo die Wüste sich immer weiter ausdehnt und das Kulturland mit den dort lebenden Menschen gefährdet. Forscher berichten, dass die Sahara in den Jahren 1958-75 nahezu 200 Quadratkilometer nach Süden vorgestossen sei. Die grösste arabische Sandwüste Rub’al-Khali wandert nach Südosten und bedroht die Oase von Al Hasa. Ähnlich verhält es sich in Amerika, Australien und Zentralasien, wo die Wüsten ebenfalls im Vormarsch sind – während die hungrige Menschheit zunimmt.

  • Die Menschen aber tragen einen bedeutenden Teil der Schuld durch jahrhundertelange Fehlwirtschaft:
  • Abholzen einstiger Waldbestände (Libanon und Palästina)
  • Einseitige Anbaumethoden und Versalzung der Böden
  • Aushungern des Bodens – zu intensive Beweidung, Verbrennen von Dung.

Doch gab es alte Kulturen, wo heute Wüste ist – in Mesopotamien Syrien, Jordanien und Südarabien.