Archäologen
um den Babylonischen Turm

Archäologie ist ein staubiges Thema – wohl nirgends so sehr wie in Mesopotamien, dem Land des biblischen Turmes. Doch haben Ausgrabungen bis heute nicht an Faszination verloren – die Arbeit des Archäologen, oft erwähnt als Detektiv auf der Spur der Geschichte.

Manche haben es schon unternommen, diese Wissenschaft zu entstauben. In den 1950er-Jahren wurde die Spaten-Forschung aktualisiert durch die spannenden Bücher von C. W. Ceram «Götter, Gräber und Gelehrte» und W. Keller «Und die Bibel hat doch Recht».

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts begannen die gebildeten Laien Alcubierre und Fiorelli mit Grabungen in den vom Vesuv verschütteten antiken Städten Heraklaneum und Pompeji.

Schliemann, der andere grosse Visionär, begab sich mit Homer auf die Suche nach der verschollenen Stadt Troja und fand unter dem Hügel von Hissarlik nicht nur eine Stadt, sondern neun übereinander liegende Siedlungen – und schliesslich den berühmten Schatz des Priamos.

Vor allem aber gilt es Winckelmann als Begründer der wissenschaftlichen Forschung zu erwähnen, der 1764 mit seinem Buch «Die Geschichte der Kunst des Altertums» erstmals Ordnung in die wahllos aus Hellas und Rom zusammengetragenen Funde brachte.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es wieder einmal die grosse Sensation Gold – als der Amerikaner Howard Carter im ägyptischen «Tal der Könige» das noch unberührte Grab Tut-Ench-Amuns entdeckte – Funde von atemberaubender Schönheit.

Doch wir wollen weiterziehen in eine grosse Vergangenheit und stellen nun den Babylonischen Turm in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen. Ihn betrifft ja auch die immer wiederkehrende Frage der Maler und Dichter – bis der deutsche Archäologe Robert Koldewey in Babel die Antwort fand. Den Beweis, dass es den biblischen Turm gegeben hat – den schon Herodot in seiner einstigen Pracht und Grösse beschrieb.

Von Babylon gelangen wir tiefer in das südliche Zweistromland – in die versunkene Welt von Sumer. Die Ruinen in der Wüste sind von unvergleichlicher Faszination – die einstigen Städte von UR in Chaldäa – Uruk – Nippur – Eridu… Überall standen Tempel und die Türme.

Auf diesem Weg möchten wir mehr erfahren – vor allem in Uruk der grössten sumerischen Stadt. Sie gilt auch als die Stadt Gilgameschs, der die grosse Mauer baute – wie es im Epos, der frühsten bekannten Literatur aus 3. Jahrtausend v. Chr. beschrieben ist.

In Uruk – dem biblischen Erech – wird seit 1913 geforscht. Denn die Fläche beträgt rund sechs Quadratkilometer. Hier haben die deutschen Archäologen auch 4000 Jahre tief gegraben – Schicht um Schicht sorgsam untersucht und aufgezeichnet.

Hier können wir auch erfahren, wie gegraben wird – nicht zu vergleichen mit Ägypten oder Griechenland –, denn die Mauern der Tempel bestanden weder aus Stein oder Marmor, sondern aus Lehm. Da ist eine besondere Technik gefragt, die seit Jahrzehnten entwickelt wurde. Und zuletzt sagt oft ein brüchiger Lehmziegel mehr aus als ein Fund von Gold.

Der Wissenschafter hat dem einstigen Schatzgräber den Spaten aus der Hand genommen.