Diavorträge

Archäologen
um den Babylonischen Turm

Archäologie ist ein staubiges Thema – wohl nirgends so sehr wie in Mesopotamien, dem Land des biblischen Turmes. Doch haben Ausgrabungen bis heute nicht an Faszination verloren – die Arbeit des Archäologen, oft erwähnt als Detektiv auf der Spur der Geschichte.

Manche haben es schon unternommen, diese Wissenschaft zu entstauben. In den 1950er-Jahren wurde die Spaten-Forschung aktualisiert durch die spannenden Bücher von C. W. Ceram «Götter, Gräber und Gelehrte» und W. Keller «Und die Bibel hat doch Recht».

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts begannen die gebildeten Laien Alcubierre und Fiorelli mit Grabungen in den vom Vesuv verschütteten antiken Städten Heraklaneum und Pompeji.

Schliemann, der andere grosse Visionär, begab sich mit Homer auf die Suche nach der verschollenen Stadt Troja und fand unter dem Hügel von Hissarlik nicht nur eine Stadt, sondern neun übereinander liegende Siedlungen – und schliesslich den berühmten Schatz des Priamos.

Vor allem aber gilt es Winckelmann als Begründer der wissenschaftlichen Forschung zu erwähnen, der 1764 mit seinem Buch «Die Geschichte der Kunst des Altertums» erstmals Ordnung in die wahllos aus Hellas und Rom zusammengetragenen Funde brachte.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es wieder einmal die grosse Sensation Gold – als der Amerikaner Howard Carter im ägyptischen «Tal der Könige» das noch unberührte Grab Tut-Ench-Amuns entdeckte – Funde von atemberaubender Schönheit.

Doch wir wollen weiterziehen in eine grosse Vergangenheit und stellen nun den Babylonischen Turm in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen. Ihn betrifft ja auch die immer wiederkehrende Frage der Maler und Dichter – bis der deutsche Archäologe Robert Koldewey in Babel die Antwort fand. Den Beweis, dass es den biblischen Turm gegeben hat – den schon Herodot in seiner einstigen Pracht und Grösse beschrieb.

Von Babylon gelangen wir tiefer in das südliche Zweistromland – in die versunkene Welt von Sumer. Die Ruinen in der Wüste sind von unvergleichlicher Faszination – die einstigen Städte von UR in Chaldäa – Uruk – Nippur – Eridu… Überall standen Tempel und die Türme.

Auf diesem Weg möchten wir mehr erfahren – vor allem in Uruk der grössten sumerischen Stadt. Sie gilt auch als die Stadt Gilgameschs, der die grosse Mauer baute – wie es im Epos, der frühsten bekannten Literatur aus 3. Jahrtausend v. Chr. beschrieben ist.

In Uruk – dem biblischen Erech – wird seit 1913 geforscht. Denn die Fläche beträgt rund sechs Quadratkilometer. Hier haben die deutschen Archäologen auch 4000 Jahre tief gegraben – Schicht um Schicht sorgsam untersucht und aufgezeichnet.

Hier können wir auch erfahren, wie gegraben wird – nicht zu vergleichen mit Ägypten oder Griechenland –, denn die Mauern der Tempel bestanden weder aus Stein oder Marmor, sondern aus Lehm. Da ist eine besondere Technik gefragt, die seit Jahrzehnten entwickelt wurde. Und zuletzt sagt oft ein brüchiger Lehmziegel mehr aus als ein Fund von Gold.

Der Wissenschafter hat dem einstigen Schatzgräber den Spaten aus der Hand genommen.

Die Beduinen

Wüsten gibt es weltweit und sie nehmen immer noch zu. Mangels Wasser und Vegetation können nur Nomaden – die wandernden Hirten mit ihren Tieren – in der Wüste existieren, ob in Asien, Arabien, oder Afrika. Auch die Eskimos sind Nomaden im Eis.

Heute wählen wir: Blickpunkt Arabien. Auf der grossen Halbinsel, mit einer Längenausdehnung von rund 3000 Kilometern fast so gross wie Europa, umfassen die Wüsten – von Nufid über die vulkanischen Schammar-Berge, den Nedschd und das Sandmeer der Rub’al Khali – 70 bis 80 Prozent des Gebietes.

Hier werden die Nomaden Beduinen genannt. Der Name kommt vom arabischen Wort Bada – «auftauchen». Es sind die Unsteten, die nirgends lange bleiben können – ein Leben lang unterwegs als Kamelhirten auf der Suche nach Wasser und Weide.

Zahllose Stämme ziehen durch den weiten Raum. Jeder Stamm hat seine Dira, ein ausgedehntes Weidegebiet, dessen Grenzen jeder kennt. Das Leben der Beduinen ist hart und entbehrungsreich – trotzdem waren sie bisher nicht bereit, ihre Freiheit aufzugeben.

In Arabien gilt es drei Lebenskreise zu unterscheiden. Im innersten menschenfeindlichen Kreis der Wüste leben die Beduinen. Im Randgebiet, wo es fruchtbare Böden, Winterregen, da und dort auch Grundwasser gibt, pflügen Bauern – die Fellahin ihre Felder. Und im dritten Bereich der Städte finden wir Handwerker und Kaufleute, Bildung und Kultur.

Ein britischer Forscher hat behauptet, die Araber seien alle Snobs! Die vornehmen Städter verachten die Bauern, die sich auf dem Acker abmühen. Die Fellachen verachten die Beduinen, die weder Haus noch Felder besitzen. Und die stolzen Wüstensöhne verachten alle andern, weil ihnen die Freiheit gehört.

Ihren Spuren wollen wir nun eine Weile folgen, um etwas vom Leben in der Wüste zu erfahren: die grosse Wanderung durch karge, immer wieder faszinierende Landschaften von Stein und Sand – über die Herde, die Familie – Sitten und Bräuche im schwarzen Ziegenhaarzelt.

Eine altübernommene Lebensweise, die sich in unserer Zeit von Erdöl und Technik allmählich verliert.

Götter und Könige
im alten Zweistromland

Wenn es um grosse geschichtliche Vergangenheit geht, denken wir an Rom, Griechenland und Ägypten. Doch über Mesopotamien haben wir in der Schule noch wenig erfahren.

Dort im alten Land der beiden Ströme Euphrat und Tigris begann die wissenschaftliche Spatenforschung erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit dem grossen deutschen Archäologen Robert Koldewey, dem Briten Sir Leonard Woolley und dem Amerikaner Hilprecht.

Mit den Ausgrabungen von Babylon und Ur in Chaldäa gelangten legendäre biblische Städte ins Licht der Wirklichkeit. Ging es doch jenen Ausgräbern weniger um die Suche nach verborgenen Schätzen unter dem Wüstenboden, als um behutsames Forschen nach den Spuren frühester Zivilisation – nach den Wurzeln unserer Kultur.

Lehmhügel sind keine Pyramiden und die sumerischen Tempel und Paläste bestanden nicht aus Marmor, sondern nur aus ungebrannten Lehmziegeln. Von aussen besehen also nicht spektakulär – jedoch unerhört faszinierend.

Wir haben Abraham aus der Bibel geholt, damit er uns ins ferne Zweistromland – nach Ur in Chaldäa führe. Seiner Spur wollen wir folgen – zurück durch die Jahrtausende. Noch streiten sich die Gelehrten über diese Gestalt – ob Ibrahim Halil Abdurrahaman wirklich ein Sesshafter in der Hafenstadt Ur gewesen sei – oder ein Hirt, der mit seiner Herde durch die Steppe zog…?

In jener Zeit findet der für die Geschichte bedeutsamste Wandel statt: der allmähliche Übergang vom Nomadentum zur Sesshaftigkeit. Damit beginnt die Zivilisation. Sobald die Menschen siedeln – sähen, ernten und Häuser bauen – ändern sich sowohl Lebensweise wie religiöse Vorstellungen.

Für die Götter werden Opferplätze errichtet und schliesslich Tempel und Türme gebaut. Eine Siedlung muss organisiert und verwaltet werden. Das Dorf wird zur Stadt und aus den grossen Städten Mesopotamiens entwickeln sich theokratische Stadtstaaten wie später in Griechenland. Der einstige Hirt und Stammesführer wird zum König.

Die eigentliche datierbare Geschichte konnte ja erst mit der Erfindung der Schrift beginnen – gegen Ende des 4. vorchristlichen Jahrtausends. Frühere Epochen wurden nach Schichten und mit Hilfe der Keramik eingestuft.

Zu den wertvollen Schrift-Dokumenten gehören auch die berühmten Königslisten – wobei den Philologen allerdings manche Rätsel aufgegeben wurden: Hiess es doch da, dass ein König Enmenduranna von Sipar nicht weniger als 21 000 Jahre geherrscht habe – und ein anderer, Alagar von Eridu, sogar 36 000 Jahre! Erst Epos-Held Gilgamesch, Stadtkönig von Uruk, begnügte sich mit 126 Jahren. Es handelte sich um die sogenannten Könige vor der Flut.

Abgesehen von den verwirrenden astronomischen Zahlen, die in keine Zeitrechnung passen wollten, galt es, die Könige nicht aneinander zu reihen, sondern nebeneinander zu setzen. Wie weitere Schriftfunde bewiesen, hatten manche Dynastien gleichzeitig bestanden – mit Königen kleiner Stadtstaaten wie Uruk, Sipar, Nippur, Lagasch und Ur.

Sumer im südlichen Mesopotamien wurde von weiteren Reichen Akkad, Babylon und Assur im Norden abgelöst. Damit wächst vor unseren Augen der legendäre fruchtbare Halbmond, welcher sich vom Zweistromland über die Mittelmeerküste weiter westwärts nach Ägypten schwingt – wo eine andere grosse Kultur ihren Anfang nahm.

Hadramaut
Abenteuer Südarabien

Hadramaut im fernen Süden der Arabischen Halbinsel galt lange Zeit als sagenhaftes Gebiet, wo keiner hinkam – nur selten einmal ein Forscher unter Lebensgefahr.

Während rund 130 Jahren (1839-1967) gehörten die südjemenitischen Kleinfürstentümer zum britischen Protektorat Aden. Der Hafen am Indischen Ozean war bedeutender Stützpunkt am Bal Al Mandab (Tor der Tränen) – Eingang zum Roten Meer, sowie dem strategisch und wirtschaftlich wichtigen Suez—Kanal.

Nachdem die Engländer 1967 abgezogen waren, kamen sowjetische «Beschützer» ins Land und das 300 000 Quadratkilometer grosse Gebiet wurde zur Demokratischen Volksrepublik Jemen erklärt. Zu jener Zeit war es noch ein geteiltes Land – nördlicher und südlicher Jemen – betroffen von vielen blutigen Auseinandersetzungen.

Heute sind beide Jemen zu einem Staat vereint mit der alten Hauptstadt Sanaa. Die Regierung zeigt sich gastfreundlich und bemüht, Wege zu den früher schwer zugänglichen Tälern, alten Städten und Ruinen zu öffnen. Wobei die unkontrollierbaren Stammesleute im Hinterland nicht immer einverstanden sind.

In diesem weiten Gebiet interessiert uns heute Wadi Hadramaut, das grösste Tal Südarabiens – einst Verbindung des antiken Weihrauchhandels vom Indischen Ozean zum Mittelmeer. Dem damals legendären Reichtum verdankt der Jemen seinen anderen Namen Arabia Felix «Glückliches Arabien».

Damit gelangen wir in die frühen Reiche Saba, Qataban und Hadramaut. Letzteres hiess schon vor 2000 Jahren so. Einige der bedeutenden Ruinen möchten wir nun erkunden.

Unbedingt gilt es aber auch die einzigartige Architektur zu studieren – eine jemenitische Bautradition, die im Hadramaut ihre herrlichste Entfaltung fand. Die Technik der Lehmbauten existiert bis in unsere Zeit – doch ihre Wurzeln finden sich schon vor 6000 Jahren in den sumerischen Tempeln des Zweistromlandes.

Schön und lohnend ist es auch, den Menschen zu begegnen, die heute in dieser uns fremden, faszinierenden Welt leben.

Jemen
Land der Berge und Baumeister

Die Römer nannten es Arabia Felix, «Glückliches Arabien», dieses Land an der Südwestecke des Subkontinentes. Heute gehört Jemen – noch immer ohne Öl – zu den Armen der Welt. Doch kannten die Römer Südarabien auch nur vom Hörensagen – dem legendären Reichtum von Gold, Weihrauch und Myrrhe mit Karawanen zum Mittelmeer gebracht. Im Jahre 24 v. Chr. sandten die Römer ein grosses Heer unter Aelius Gallus nach Südarabien. Der verlustreiche Feldzug scheiterte vor den Toren der sabäischen Stadt Marib. Zu erwähnen wäre auch die Legende von der schönen und reichen Königin von Saba und ihrem Besuch beim weisen König Salomon zu Jerusalem.

Viele Märchen und Legenden. Aber es gibt auch die altsüdarabische Geschichte und ihre Zeugen, die Ruinen alter Städte in der Wüste – unter Sand und Steinen fanden sich Dokumente einer bedeutenden Kultur. Forschungsreisende und Archäologen haben uns berichtet.

Der Däne Carsten Niebuhr unternahm schon im 18. Jahrhundert eine abenteuerliche Jemen-Expedition mit fünf Gefährten – eine Reise voller Gefahr, Stürmen, Krankheit und Tod – von der er nach sieben Jahren als einziger nach Kopenhagen zurückkehrte.

Der deutsche Forscher Eduard Glaser brachte zu Ende des 19. Jahrhunderts die wertvollste Sammlung altsüdarabischer Inschriften nach Europa. Aus diesen 1800 Texten liess sich die Geschichte der alten Reiche weitgehend rekonstruieren.

Hier in Kürze die Reihenfolge:
Das älteste Reich Saba muss zu Beginn des letzten Jahrtausends v. Chr. entstanden sein, mit der Stadt Marib – und dem damals weltberühmten Staudamm, dem das steile Bergland seine Fruchtbarkeit verdankte.

Es folgten die Reiche:

  • Hadramaut 900 – 500 v. Chr.
  • Ausan unbestimmt – 410 v. Chr.
  • Qataban um 500 v. – 100 n. Chr.
  • Ma’in unbestimmt – 115 n. Chr.
  • Himyar 100 v. – 500 n. Chr.

Wie wir aus den Zeitspannen ersehen, haben die Reiche zeitweilig nebeneinander existiert. Der transarabische Karawanenhandel dauerte seit dem ersten Reich Saba über eineinhalb Jahrtausende, bis Ma’in zerfiel und der Staudamm von Marib brach. Danach nahm der Handel andere Wege.

Der Islam wurde schon im 7. Jahrhundert – noch zu Lebzeiten des Propheten Mohammed – nach Südarabien gebracht. Im Jemen wurde der Imam geistiges und weltliches Oberhaupt.

Die meisten jemenitischen Herrscher regierten mit Härte und Brutalität – der Thronfolge ging oft ein Mord voraus. Der zweitletzte Imam Ahmed starb 1962 in seinem Bett. Sein Sohn und Thronfolger Al Badr regierte nur 11 Tage – mit Ausrufung der Republik brach der Bürgerkrieg aus, welcher sieben Jahre dauerte. Während dieser Zeit hatten sich die Royalisten mit Al Badr in den Bergen verschanzt.

1969 kam es zu einer Koalitions-Regierung – doch schon 1977 wurde der erste Präsident Al Hamidi ermordet. Unruhen und Aufstände folgten. Auch Zusammenschluss und Trennung zwischen Nord- und Südjemen – die sich mittlerweile wieder versöhnt haben.

Die Imame hielten ihr Land streng verschlossen – heute stehen die Tore offen. Viel Entwicklungshilfe wurde gebracht – Strassen, Schulen und Spitäler gebaut. Auch der Tourismus fand Eingang – der Fremde wird als Sadik «Freund» begrüsst.

Die jungen Jemeniten ziehen aus, um in den reichen Golfstaaten und Saudi Arabien Geld für ihre Familien zu verdienen – was Glück und Gefahr bedeutet. Technik und so genannte Zivilisation kamen allzu plötzlich in ein Land, wo eine noch fast mittelalterliche Welt mit Brauchtum und überlieferten Gesetzen intakt geblieben war.

Mit Bildern wollen wir nun etwas Einblick gewinnen in diese uns fremde Welt.

Jordanien
Königreich am Rand der Wüste

Ein seltsames kleines Land liegt dort hintern dem Jordan.

Als der britische Oberst Lawrence 1917 mit den Beduinen gegen die Türken ritt, hat es noch gar nicht existiert.

So möchten wir vorerst etwas über die Geschichte erfahren, welche im Zusammenhang mit dem ganzen nahöstlichen Raum eine Rolle spielt. Hier am Jordan, im tiefsten Tal der Welt, begann die Entwicklung sehr früh. Britische Archäologen haben bei Jericho eine Steinzeitliche Stadtsiedlung aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. entdeckt. Alle folgenden Epochen bis in die Bronzezeit sind auf den Höhen von Edom und Moab vertreten.

Ausgräber-Expeditionen aus aller Welt arbeiten heute in Jordanien, hier im biblischen Land, auf dem Weg, den Moses mit seinem Volk gezogen ist. Die alte Verbindung hoch über dem Jordantal, von Ägypten nach Syrien, wurde Höhenweg der Könige genannt.

Im Gefolge Alexanders des Grossen gelangte Hellenistische Kultur ins Morgenland. Später machten die Römer das «Steinerne Arabien» zu ihrer Provinz und gründeten die glanzvolle Reihe der zehn Decapolis-Städte.

In Arabia Petraea hat sich ein Stück ureigenster Geschichte abgespielt – bis vor wenigen Generationen in den Büchern kaum erwähnt. Der arabische Stamm der Nabatäer muss um das 5.-4. Jahrhundert v. Chr. aus der Wüste gekommen sei, im Zusammenhang mit dem blühenden Karawanenhandel über die Weihrauchstrasse. In den Shara-Bergen gründeten sie ihre Felsenstadt Petra – wurden reich und mächtig, bis sie durch Eroberungen an der Mittelmeerküste und Besetzung von Damaskus den römischen Zorn heraufbeschworen – besiegt von Trajan zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr.

Byzanz wurde mächtig im Orient – Kirchen, Kathedralen und herrliche Mosaiken zeugen davon. Bis der Islam seine grüne Fahne entfaltet zur Eroberung eines Riesenreiches vom Atlantik bis zum Indus. In der ersten Dynastie (bis Mitte des 8. Jahrhunderts) bauten die Omayyaden-Kalifen im warmen Jordantal ihre Winterresidenz und Jagdschlösser auf den weiten Höhen, wo es damals noch Wälder gab.

Dann kamen im 11.-13. Jahrhundert die Kreuzfahrer über das Mittelmeer gesegelt und errichteten ihre Festungen auch über dem Jordantal – bis der grosse Rächer Saladin sie wieder aus dem Orient vertrieb. In den folgenden Jahrhunderten regierten die Türkischen Sultanen über ganz Arabien. Das Ende des Osmanischen Reiches gehört schon in unsere Zeitgeschichte.

Mit dem Arabischen Aufstand 1917/18 beginnt eigentlich die Kreation des Staates von Jordanien. Bekannt sind die beiden Führer Oberst Lawrence und Emir Faisal, Sohn des Sheriffs Hussein von Mekka. Dieser Krieg lag im politischen Interesse von Grossbritannien und Frankreich. Im Herbst 1918 erfolgte der siegreiche Einzug in Damaskus. Faisal wurde mit dem Königsthron von Bagdad belohnt.

Doch dann erschien dessen Bruder Abdallah am Jordan und verlangte von den Westmächten auch eine Krone. Dies passte durchaus ins Konzept der Briten, die als Mandatsherren mit den aufsässigen Beduinen nicht fertigwurden. Sie erklärten Abdallah erst zum Emir und 1921 zum König von Transjordanien.

Erst 1946 erlangt das Land die Unabhängigkeit. Ein Jahr später wird der Staat Israel ausgerufen und es kommt zum ersten Nahostkrieg. 1951 fällt König Abdallah in Jerusalem einem Attentat zum Opfer. Sein Sohn Talal folgt ihm auf den Thron – nur für ein Jahr. 1953 wird der damals 18jährige Hussein König von Jordanien.

Seither hat der kleine König unzählige innen- und ausserpolitische Auseinandersetzungen – Kriege und Attentate – überlebt. Jordanien bleibt Durchgangsland und Verbindungsachse – gewinnt zunehmend auch an wirtschaftlicher Bedeutung im nahöstlichen Raum.

Geschichtlich und kulturell ist das kleine Land am Rand der Wüste immer eine Reise wert.

Glanz der Kalifen
Vergessene Islamische Kultur

Vielleicht klingt unser Titel ein wenig nach Tausendundeiner Nacht. Doch existierte der uns bekannte Märchen-Kalif Harun Ar-Raschid, der im 18. Jahrhundert von Bagdad aus sehr real ein Riesenreich regierte. Er gehörte zur abbasidischen Herrscher-Dynastie, welche einen weitreichenden kulturellen Aufstieg mitbestimmte.

In Europa ist das morgenländische Erbe weitgehend in Vergessenheit geraten. Allzu viel Zeit ist vergangen, seit im 13. Jahrhundert die Mongolen die islamische Kultur zerstört haben – unter der nachfolgenden Türkenherrschaft blieb nur eine über vier Jahrhunderte dauernde Stagnation.

Seit dem Mittelalter war das abendländische Denken von den Kreuzfahrern beeinflusst, welche uns die Araber als Barbaren und fanatische Christenverfolger geschildert haben. Und doch gab es zur Kalifenzeit auch ausgesprochen gute Beziehungen zwischen Morgenland und Abendland. Beispielweise zwischen Harun Ar-Raschid und Karl dem Grossen – oder denken wir an die Normannenfürsten Süditaliens, vor allem an den Staufen-Kaiser Friedrich II., der Arabisch sprach und Verbindungen zu den gelehrten Fürsten von Jerusalem und Cordoba unterhielt.

Als der Prophet Mohammed zu Beginn des siebenten Jahrhunderts die heidnischen Bewohner von Mekka und Medina zum Glauben an einen einzigen Gott bekehrte, konnte er von der kommenden gewaltigen Verbreitung dieser dritten monotheistischen Weltreligion noch nichts geahnt haben. In den Wüsten Arabiens schlummerten gewaltige unverbrauchte Kräfte und die einigende Idee des Islam wurde zu einem Feuer, welches über die Steppen Asiens brauste. Nachdem Mohammed 632 in Medina gestorben war, haben seine Nachfolger, die Kalifen, in einem knappen Jahrhundert die riesigen Gebiete zwischen Atlantik und Indus erobert.

In der Schule erfuhren wir, dass der Islam mit dem Schwert verbreitet worden sei – im Zusammenhang mit Verfolgung von Juden und Christen – ein verhängnisvolles Missverständnis. Obwohl Eroberungen mit der Waffe geführt wurden, galt für den Moslem die Ermahnung zur Toleranz.

Noch existieren Dokumente – Verträge aus den damals eroberten Gebieten Syrien und Palästina – Andalusien und Sizilien, worin den Besiegten Religionsfreiheit garantiert wurde. Der Kalif war auch nicht unbedingt an der Bekehrung Andersgläubiger zum Islam interessiert – denn jeder Nicht-Moslem hatte eine Grund- und Kopfsteuer zu bezahlen – ein Einkommen, welches für Verwaltung und Besoldung der Armee benötigt wurde.

Islam bedeutet «Hingabe an Gott», Moslem – der «Islam-Gläubige». Wir Christen gelten lediglich als «Nicht-Islam-Gläubige». Viele Propheten des Alten Testamentes sind auch im Koran erwähnt. Auch Jesus wird als Issa, als letzter Prophet vor Mohammed, von den Moslems verehrt.

Im Zusammenhang mit den Eroberungen erfahren wir, dass den Kalifen nicht unbedingt nach Goldschätzen gelüstete – er befahl seinen Feldherren: «Bringt mir Bücher!». Auf diese Weise sind im 8. Jahrhundert schon fast verschollene griechische Manuskripte nach Bagdad gelangt – wurden zunächst ins Arabische und später ins Lateinische übersetzt. Hier beginnt das Werk der Araber.

Denn es ging nicht allein um Übersetzen und Weitergeben. Alles, was in diesen Büchern stand, wurde von den Gelehrten am Kalifenhof aufmerksam geprüft – verworfen oder ergänzt und schliesslich mit Genie und unerhörter Schaffenskraft weiterentwickelt.

Die grossen Astronomen – es sind deren 534 bekannt – verfügten über ausgezeichnete Sternwarten und verglichen ihre Messungen mit den Observatorien von Damaskus, Bagdad und Gundischapur, damit ihnen keine Fehler unterliefen. Ihre Werke behielten an den Universitäten Europas noch lange Gültigkeit.

Mit den aus Indien übernommenen Zahlen haben arabische Gelehrte die Mathematik entwickelt, der ja erst durch das Dezimalsystem (zifr – arabisch Null) weitere Möglichkeiten gegeben waren. Auch Algebra ist ein arabisches Wort: Al-Qabr heisst Gleichung.

Die medizienischen Erkenntnisse der grossen Griechen Galen und Hippokrates wurden von den Ärzten zu Bagdad aus der Theorie in Praxis umgesetzt und durch weitere Forschung an den für damalige Zeiten hervorragenden Polykliniken und Spitälern auf den höchsten Stand gebracht. Auch medizinische Fachbücher kamen über Andalusien nach Europa. Im Auditorium Maximum der Sorbonne Paris hängen die Bildnisse der beiden grossen Ärzte des Morgenlandes Rhases und Avicenna.

Oman
Land am Rand der Welt

Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wusste mit Ausnahme einiger Geologen und Ingenieure kaum jemand etwas über dieses weltabgeschiedene Gebiet an der südostecke Arabiens.

Oman ist etwas grösser als Deutschland – jedoch nur von einer knappen Million Menschen bewohnt. Auf der Landkarte betrachtet scheint es ein beängstigend unwirtlicher Lebensraum. Im Norden liegt das riesige Sandmeer der Wüste Rub’Al-Khali – im Süden dehnt sich der Indische Ozean endlos bis nach Australien.

Bis 1970 lebte das Volk von Oman sozusagen im Mittelalter – ohne Strassen, Elektrizität oder Flugverbindungen – regiert vom starrköpfigen Sultan Said Bin-Taimur, der keinen Fortschritt duldete. Im ganzen Land gab es lediglich drei kleine Koranschulen und ein armseliges Missionsspital. Für Mädchen war die Schule verboten. Nur wenige privilegierte Kinder besuchten heimlich nachts den Unterricht.

Auch Qabus, der einzige Sohn des Herrschers, stand nach einem Studienaufenthalt in England jahrelang unter Hausarrest in seinem Land und durfte nur bei gutem Verhalten einmal wöchentlich seine Mutter besuchen. Was sich indes rächen sollte…

Die Stunde Null schlug am 23. Juli 1970. Mit britischer Unterstützung wurde der alte Sultan entmachtet und ins Exil geflogen. Der Sohn Qabus Bin-Said Bin-Taimur Al-Bu Said übernahm die Regierung und realisierte in den folgenden 30 Jahren ein grosses Entwicklungs-Programm. Öl machte es möglich! Das Land war arm und verschuldet gewesen – doch glücklicherweise begann 1967 auch in Oman das Schwarze Gold zu fliessen. Der junge Herrscher unterschrieb Verträge – holte Fachleute und moderne Technik in sein Land.

Es lohnt sich, das legendäre Land Sindbads des Seefahrers zu erkunden – seinen Menschen zu begegnen – den Fischern und Beduinen – den Oasenbewohnern und Händlern in der Stadt.

Die Omanis sind ein prächtig unabhängiges Volk – jeder Mann bärtig und bewaffnet zum Fürchten -, doch von strahlender Heiterkeit. Tradition und Brauchtum sind gültig geblieben im Alltag und bei herrlichen Festen.

Und es ist faszinierend, in dieser unbekannten Welt Neues zu lernen; zu erfahren, wie man nach altem Wissen kleinste Fischerboote und grosse Segelschiffe baut – wie in der Wüste Gärten existieren und woher das Wasser kommt.

Auch in den Ruinen alter Städte nach der Geschichte zu fahnden, kann spannend sein. Schliesslich möchte man auch wissen, wo der seit 3000 Jahren berühmte Weihrauch wächst – und darf nicht enttäuscht sein, dass es in der heutigen Hauptstadt Muscat keine Muskatnüsse gibt.

In der Abgeschiedenheit von Wüste und Bergen lebt kein wildes Volk. Oman hat Tradition, strenge Sitten und eine grosse kulturelle Vergangenheit. Die omanische Geschichte reicht bis zu den Steinzeit-Kulturen Mesopotamiens und des Industales. Schon vor vier Jahrtausenden zogen arabische Schiffe durch den Golf nordwärts und brachten Kupfer aus dem damals sogenannten Lande Magan nach Ur in Chaldaea, der legendären Stadt Abrahams.

Die grosse Zeit des Weihrauch-Handels wird hier wieder lebendig – in Erinnerung an die einst mächtigen altsüdarabischen Reiche von Saba und Qataban, als die Karawanen von der Küste des Indischen Ozeans zum fernen Mittelmeer zogen.

Petra
Die rote Felsenstadt der Nabatäer

Man schrieb das Jahr 1812 – die Welt war mit Napoleon beschäftigt – als ein seltsamer Reisender, Scheich Ibrahim ibn Abdallah alias Johann Ludwig Burckhardt, durch das nordarabische Hochland unterwegs war. Der Schweizer Geograph sollte die noch unbekannten Gebiete erkundigen und entdeckte in den Shara-Bergen die seit über 1000 Jahren verschollene Stadt Petra – das biblische Sela.

Selbst in den Geschichtsbüchern suchte man lange Zeit vergeblich nach dieser Stadt und dem sonderbaren Volk, das einst aus der Wüste kam und nach 700 Jahren wieder verschwand.

Wie weitere Forschungen ergaben, handelte es sich um den arabischen Stamm der Nabatäer, die ihren Namen auf Nabayot, den Sohn Ismails, zurückführten. Der Vater von Ismail (und Isaak) sei Abraham gewesen.

Die Söhne Nabayots mögen zur Zeit des blühenden Weihrauchhandels aus dem Süden Arabiens nordwärts gezogen sein. Der griechische Geograph Strabo erwähnt sie zusammen mit den Sabäern. Vermutlich waren sie vorerst nach alter Wüsten-Tradition als glorreiche Räuber entlang der Handelsrouten unterwegs – veredelten dann ihr Handwerk und wurden als Führer und Beschützer der Karawanen reich und mächtig.

Die erste schriftliche Erwähnung der Nabatäer im Bereich von Arabia Petraea, dem «Steinernen Arabien», datiert aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Auf ihrem langen Weg zum Mittelmeer gelangten sie in einen gewaltigen Felsenkessel, der wohl vorerst zu ihrer geschützten Karawanserei wurde, dann aber zur Nekorpolis – einer Totenstadt mit prachtvollen, in roten Sandstein gemeisselten Grabanlagen.

Als freies Wüstenvolk hatten die Söhne Nabayots den Grundsatz, keinen Baum zu pflanzen, kein Feld zu pflügen, kein Haus zu bauen – da solches den Menschen abhängig macht… Doch blieben sie dieser Devise nicht treu. Der Erfolg verführte sie zu Eroberungen von Küstenstädten am Mittelmeer, und als sich einer ihrer Könige, Aretas IV., auf den Thron von Damaskus setzte, entbrannte der Zorn im römischen Kaiserreich. Trajan schickte seine Legionäre übers Meer und die Nabatäer wurden zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. besiegt.

Arabia Petraea wurde zur römischen Provinz – in der Felsenstadt entstanden Tempel und Paläste, während die Spuren der Söhne Nabayots sich allmählich wieder in der Wüste verloren.

Die Wüste
Lebensraum und Bedrohung

Für viele Menschen war die Wüste von starker Faszination. Abenteurer, Forscher und Dichter haben sie uns geschildert, von Karl May bis Lawrence von Arabien und St. Exupéry. Worin besteht wohl die grosse Anziehungskraft? Hitze, Durst und erschöpfende Ritte von Horizont zu Horizont machen den Reiz gewiss nicht aus. Doch geht es immer wieder um das intensive Erlebnis der Weite sowie das Ausgeliefertsein und sich sehr klein Fühlen als Mensch im riesigen, schier grenzenlosen Raum.

Doch bedenken wir ganz unsentimental, dass die Wüste ein Drittel der Erdoberfläche (in 60 Ländern) bedeckt – und noch ständig wächst und wandert.

Arten

Wir finden nicht überall dieselbe Wüste – vielfältig sind ihre geologischen und strukturellen Formen. Vor allem gilt es drei Gebiete zu unterscheiden: die Ariden, Semiariden und Regenzonen.

In der Ariden Wüste von Sand und Fels fällt praktisch kein Regen, wie in der südarabischen Sandwüste Rub’al-Khali, in der Sahara und Zentralasien. Die Erdoberfläche ist nackt, ohne Pflanzenwuchs, der Sonne und dem Wind preisgegeben.

Semiarid werden Gebiete bezeichnet, die weniger als 100 mm Niederschläge im Jahr bekommen. Die ist ein Steppengürtel mit zumeist karger Vegetation, jedoch schon als sparsame, wechselnde Weide geeignet.

In den äusseren Randzonen gibt es jährlich 100-200 mm Regen. Hier ist zeitweilig schon Ackerbau möglich, wenn auch die Wassermenge von Jahr zu Jahr schwankt – im selben Raum können es einmal 40, dann wieder gegen 200 mm sein. Und vom Wasser – wo auch immer – hängt das Leben ab.

Lebensraum

Das Leben in der Wüste bedeutet Kampf, wie nirgends sonst – ausser vielleicht im anderen Extrem, in den polaren Eisregionen. Es überleben nur:

  • Widerstandsfähige Pflanzen, welche Jahre der Dürre durchstehen.
  • Widerstandsfähige Tiere, die einen besonderen Wasserhaushalt haben und nicht von der täglichen Tränke abhängig sind.
  • Und Menschen, die nicht nur widerstandsfähig sind, sondern von wüstentüchtigen Tieren und Pflanzen Nutzen ziehen.

Es ist ein Nomadentum, wobei sich Menschen, Tiere und zuweilen auch Pflanzen auf der Wanderung befinden – wenn wir etwa an die vom Wind weitergetragenen Samen denken.

Im Verlauf eines Jahres ist die gesuchte Weide einmal da und einmal dort. Oder nirgends. Wenn wir etwa an die grosse Dürre in der Sahel-Zone denken. Das Leben in der Wüste bedeutet dauernde Suche nach neuer Existenz, auch Flucht vor Hunger, Durst und Tod.

Bedrohung

Die Bedrohung bezieht sich auf Randzonen, wo die Wüste sich immer weiter ausdehnt und das Kulturland mit den dort lebenden Menschen gefährdet. Forscher berichten, dass die Sahara in den Jahren 1958-75 nahezu 200 Quadratkilometer nach Süden vorgestossen sei. Die grösste arabische Sandwüste Rub’al-Khali wandert nach Südosten und bedroht die Oase von Al Hasa. Ähnlich verhält es sich in Amerika, Australien und Zentralasien, wo die Wüsten ebenfalls im Vormarsch sind – während die hungrige Menschheit zunimmt.

  • Die Menschen aber tragen einen bedeutenden Teil der Schuld durch jahrhundertelange Fehlwirtschaft:
  • Abholzen einstiger Waldbestände (Libanon und Palästina)
  • Einseitige Anbaumethoden und Versalzung der Böden
  • Aushungern des Bodens – zu intensive Beweidung, Verbrennen von Dung.

Doch gab es alte Kulturen, wo heute Wüste ist – in Mesopotamien Syrien, Jordanien und Südarabien.